Wenn Netzwerke zu Innovationszellen werden

thyssenkrupp Quartier in Essen

thyssenkrupp steht in meinem Kopf für Schwerindustrie, den buchstäblichen Kruppstahl und den ein oder anderen Aufzug, in dem ich das Firmenlogo schon wahrgenommen habe. thyssenkrupp steht für Großkonzern und Ruhrgebiet. thyssenkrupp steht für den Gegenentwurf zur Berliner Öko-Politik-NGO-Szene, mit der ich ansonsten viel zu tun habe. Seit ich den Vernetzungsteil des 1. thyssenkrupp Diversity Day im Auftrag des WOW – Web of Women konzipieren und moderieren durfte, steht es für mich aber auch noch für etwas ganz anderes: für engagierte Frauen, die kollegial und humorvoll nach vorne denken. Für viel Sensibilität im Austausch zwischen der konzerninternen LGBTI-Community und dem heterosexuellen Mainstream. Und für eine ehrliche Auseinandersetzung damit, weshalb der Konzern ein starkes Frauennetzwerk hat, aber kein eigenes Männernetzwerk braucht…

Unter dem Titel „Der Konzern hat ein Problem“ durfte ich in einer kurzen Keynote entwickeln, weshalb gerade große Unternehmen den Kulturwandel von innen brauchen und fördern sollten. Zum Beispiel deshalb: Weil Vernetzung oft vor allem vertikal gesteuert und auf der Faktenebene stattfindet. „Aber damit wir Visionen leben, müssen wir uns mit etwas viel Höherem verbinden.“ Aus der NGO-Welt kenne ich unheimlich viele Menschen, für die genau dieses höhere Ziel ausschlaggebend für die Jobwahl war. Aber auch in jedem Großkonzern und auch bei thyssenkrupp verfolgen diejenigen, die sich in nebenberuflichen Netzwerken engagieren, höhere Ziele als die eigene Karriere. In beiden Welten – NGO-Branche und Großkonzern – verstellen die Routinen und Herausforderungen jedoch schnell den Blick auf diese eigentliche Motivation und rauben dem Engagement die Kraft.

Im Vernetzungsteil des Diversity Day ging es mir darum, die Vision und den Antrieb hinter dem Engagement wieder für sich selbst zugänglich zu machen. In einem zweiten Schritt folgte der Austausch mit anderen über das, was den oder die Einzelne antreibt – um schließlich aus einem neuen Selbstverständnis heraus innovative Ideen für die firmeninternen Netzwerke zu spinnen. Weder LGBTI-Netzwerk noch das Frauenetzwerk WOW – Web of Women wollten sich schließlich als Selbsthilfegruppen verstanden wissen. Ihre Potenziale als Intrapreneure, als wichtige Gradmesser für Toleranz und Sensibilität und als kulturelle Entwicklungshelfer konnten an diesem Tag schon wunderbar aufblitzen. Und jeder Konzern wäre schlecht beraten, diese nicht weiter zu fördern.

Ausschnitt aus meiner Keynote zum 1. tk-Diversity Day

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