Vorgeschmack auf den Vortrag „Digitaler Körper und informierte Einwilligung“

Dieser Text ist das Abstract zu einem geplanten Vortrag für den Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF e.V.) zum Thema #FemHealth2021.
Herzlichen Dank für die Einladung!

Wenn wir uns in ärztliche Behandlung begeben, darf unser Körper untersucht werden. So klar, so gelernt. Wird ein konkreter körperlicher Eingriff vorgeschlagen, muss eine informierte Einwilligung – ein „informed consent“ -, unterzeichnet werden, und zwar unbedingt. Alles andere gilt als Körperverletzung. „Consent“ meint hier nicht, dass es keine Einwände mehr gegen den vorgelegten Vorschlag des Arztes gäbe. Sondern nur, dass dieser Vorschlag beiderseitig für „good enough for now, safe enough to try“ gehalten wird.
Am Fallbeispiel der digitalen Überwachung von chronisch kranken Patient*innen geht dieser Workshop der Frage nach, in welchem Kontext der informed consent eigentlich heute steht: Wie wird er eingesetzt? Was muss er leisten? Und auf welchen Körper bezieht sich die Einwilligung konkret: auf den physischen oder auf den codifizierten Datenkörper des Patienten? Zuletzt: Welchen Unterschied macht das?
Dabei wird auch kritisch hinterfragt, wie ein informed consent im heutigen Gesundheitssystem überhaupt zustande kommen kann. Als Spezialist*innen für den menschlichen Körper übernahmen bisher Ärztinnen und Ärzte die Aufgabe, ihre Patient*innen über die eigens verordneten Eingriffe aufzuklären. Ein äußerst umfangreiches Unterfangen, das nur mit starken Verkürzungen und Auslassungen möglich war. Wenn nun telemedizinische Kontrollmöglichkeiten zunehmen, wenn der physische Körper als granularer „Zahlenkörper“ (Mathar, 2010) vorliegt und in verschiedene Cluster zerlegt auf internationalen Servern gespeichert wird – wie können die Beteiligten dann befähigt werden, einen informed consent herbeizuführen?

Den „richtigen“ Vortrag darf ich dann hoffentlich am 12. Juni 2021 im Hygienmuseum Dresden halten. Daumen drücken!

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