Vertrauensvoll kreativ

Kreativ-Workshop in der Autostadt Wolfsburg

In der Workshopserie „Kreativität“ für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren arbeite ich seit Anfang 2016 im Auftrag der Autostadt Wolfsburg daran, kreative Potenziale zu entdecken und zu entfalten. Man stelle sich das so vor: Die Autostadt, vielen nur als luxuriöse Abholhalle für den Neuwagen bekannt, darüber hinaus aber auch einer der größten außerschulischen Bildungsanbieter Niedersachsens, veröffentlicht ein offenes Workshop-Angebot. Zwischen 10 und 25 Jugendliche melden sich an, mal mehr und mal weniger intrinsisch motiviert.

Schon mein eigenes Briefing lässt Raum für viel Kreativität: Das Jahresthema 2016 für alle Workshops in der Autostadt lautet schlicht „Vertrauen“ und wer da ob der anhaltenden Meldungen zum VW-Abgasskandal unvermittelt schmunzeln muss, ist sicher nicht allein. Aber sei’s drum, die Jugendlichen interessieren sich noch kaum für manipulierte Software, dafür aber sehr für ihr eigenes Erwachsenwerden. In unseren Workshops geht es zu verschiedenen Unterthemen darum, sich ganzheitlich wahrzunehmen, auszuprobieren und zu reflektieren – und das bitte möglichst kreativ!

So habe ich die Aufgabe gelöst:

  1. Assoziationen zu den Unterthemen aufrufen und sammeln
    Welche Bilder entstehen vor meinem inneren Auge, wenn ich Titel lese wie „Die Welt erobern“, „Was mir wirklich wichtig ist“, „Teamplayer oder Einzelkämpfer?“ oder „Mit harten Bandagen“? Diese Bilder halte ich in Texten, Bildern, Videoschnipseln, Playlists fest.
  2. Passende Methoden und Herausforderungen sammeln
    Zu den Bildern ordnen sich im nächsten Schritt kreative Gestaltungsmöglichkeiten. Wenn es beispielsweise darum geht, gute Entscheidungen treffen zu lernen (Assoziation: Bauch, Kopf und Hand in Einklang bringen), denke ich an die positive, aus dem Vollen schöpfende Haltung des Impro-Theaters. Bei „Die Welt erobern“ (Assoziation: Grenzen überwinden, Mauern einreißen) muss ich an Barrierefreiheit denken.
    Schon im ersten Workshop wurde deutlich, wie sehr sich alle Teilnehmenden nach echten Herausforderungen und neuen Selbsterfahrungen sehnen. Deshalb spielt in meiner Konzeption eine wichtige Rolle, Aufgaben und Gedanken zu finden, die positiv herausfordernd sind, z. B. die Idee „Barrierefreiheit“ umzuwandeln in Hindernisse und konkrete Handicaps.
  3. Co-Moderation mit fachlicher Expertise und/oder persönlichen Erfahrungen finden
    Die Moderation im Tandem hat sich sehr bewährt, um sich gegenseitig den passenden Rahmen bieten zu können. Deshalb arbeite ich in den Talentbewusst-Workshops grundsätzlich zu zweit und übernehme die konzeptionelle und moderative Hauptrolle, während meine wechselnden Co-ModeratorInnen authentisch ihre methodische Kompetenz einbringen können.
  4. Sensible Auswahl von Räumen und Materialien
    In welcher Umgebung ein Workshop stattfindet ist ebenso wichtig wie das haptische Material, das zur Verfügung gestellt wird. Deshalb lege ich großen Wert auf diese materielle Ausgestaltung der Workshops. Es gibt stets ein Obst- und Getränkebuffet, ein von allen geteiltes Mittagspicknick, verrückbare Sitzmöbel, Decken und Kissen, viel Licht – und vom riesigen Indoor-Zelt bis zur vierfachen Papprolle alles, was den Ideen aus dem Kopf und der Persönlichkeit aus der Reserve hilft.
  5. Miteinander miteinander gestalten
    Bei der Durchführung der 6-stündigen Workshops gibt es genau genommen nicht nur 2 ModeratorInnen, sondern auch bis zu 25 Co-ModeratorInnen. Der genaue Ablauf der Workshops muss häufig noch im Tagesverlauf angepasst werden. Eine gute Übung, um die gemeinsame Wahrnehmung zu schulen: Wie viel Energie ist noch im Raum? Wie wollen die Kleingruppen neu gemischt werden? Wer braucht bei der nächsten Aufgabe ein anderes Gegenüber? Diese typischen Moderationsfragen lassen sich auch in kreative Mini-Aufgaben übersetzen, wodurch die ganze Gruppe einen aufmerksameren Blick füreinander bekommt.

So sieht schließlich eine „fertige“ Workshopserie aus:

Workshop 1: „Talentbewusst. Eigene Stärken und Talente entdecken“
Leitmethodik: Lernen an Herausforderungen
Co-Moderation: Claire Born, freiberufliche Trainerin und Facilitatorin für Gruppenprozesse

Workshop 2: „Die Welt erobern“
Leitmethodik: Einen ganz normalen Tag als blinder Mensch erleben
Co-Moderation: Kerstin Gaedecke, Trainerin für den Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen

Workshop 3: „Was mir wirklich wichtig ist“
Leitmethodik: Impro-Theater
Co-Moderation: Eugen Friesen (Wigwam), seit 3 Jahren Impro-Schauspieler in Berlin

Workshop 4: „Teamplayer oder Einzelkämpfer?“
Leitmethodik: Erlebnispädagogik und Demokratie-Erziehung (Wie bewege ich einen Tennisball auf unterschiedlichste Arten und unter verschiedenen Entscheidungsprämissen durch einen Raum?)
Co-Moderation: Lotte Harlan (Wigwam), Material-Managerin und frühere Requisiteurin beim Film

Workshop 5: „Mit harten Bandagen“
Leitmethodik: Gewaltfreie Kommunikation und Kontakt-Improvistaion
Co-Moderation: Gitanjali Wolf (Wigwam), Yogi

Das sagen die Teilnehmenden über die Workshops:

Es war voll neu für mich, in der Gruppe nette Sachen übereinander zu sagen.

Ich dachte immer, ich wäre die einzige, die sich manche Sachen nicht traut. Aber heute habe ich mich ganz mutig gefühlt – obwohl ich blind war!

Ich habe gemerkt, dass ich tatsächlich viel lieber in der Gruppe arbeite als allein.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit Leuten, die ich vorher gar nicht kannte, einen ganzen Tag lang einen Tennisball durch den Raum bewegen würde.

Jetzt verstehe ich, warum wir 5 Euro Teilnahmebeitrag bezahlen müssen: Ihr bringt immer voll viel Material mit!

Und so sahen unsere Erlebnisse bisher aus:

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